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Die Edda
nordische Heldenlieder, Göttersagen und Spruchweisheiten

Die Edda gehört zu den ältesten Werken der Weltliteratur. Außerdem ist sie die wichtigste Quelle unseres heutigen Wissens über die Göttersagen der Germanen. Wenn es die Edda nicht gäbe, wüssten wir heute so gut wie nichts über die Legenden von Odin und Thor, Loki, Tyr, Baldur und den anderen Asen, Riesen, Zwerge und anderen Wesen. Es gibt zwei wesentliche Edda-Quellen: Die Prosa-Edda, auch Snorri-Edda genannt, und die Lieder-Edda. Daneben gibt es auch noch einige weitere Quellen, die in einem ähnlichen Stil wie die anderen beiden geschrieben sind und deshalb ebenfalls zur eddischen Dichtung gezählt werden.

Die Prosa-Edda

Die Prosa-Edda wurde von dem Isländer Snorri Sturluson verfasst. Sie war gedacht als ein Lehrbuch für Skalden, die fahrenden Dichter und Sänger, die Jahrhundertelang auf unterhaltsame Weise, eben in der skaldischen Dichtkunst, alte Sagen und historische Begebenheiten überlieferten.
Im 13. Jahrhundert verloren die Skalden immer mehr an Bedeutung. Neben poetischen Lehrtexten enthält die Snorri-Edda auch germanische Göttersagen, da diese unter dem Einfluss der Christianisierung (Die in Island im 10. Jahrhundert begann) zunehmend vergessen wurden, aber zum Verständnis eines Großteils der "Kenningar" wichtig sind. Die Quellen Snorris Wissens waren ältere, warscheinlich mündlich überlieferte Lieder, aus denen er gelegentlich Verse zitiert.
Die Prosa-Edda enthält einen Prolog , in dem Snorri u. A. die christliche Schöpfungsgeschichte darstellt, den Text über Gylfis Verblendung (Gylfaginning) , in dem alles wesenliche über die nordische Göttervorstellung berichtet wird, und das Skáldskaparmal (Die Poesie der Skalden) , in dem am Beispiel kurzer Geschichten verschiedene skaldische Dichtkünste erklärt werden.

Die Lieder-Edda

Im Jahr 1643 fand Bischof Brynjulf Swendson, der höchste christliche Würdenträger Islands in dieser Zeit, eine alte Liederhandschrift. Da einige Textstellen dieses Codicis wörtlich mit Versen aus der Snorri-Edda übereinstimmen, nahm man an, dass man Snorris Hauptquelle gefunden habe und nannte diesen Text im Gegensatz zur Prosa-Edda, die ab da "jüngere Edda" bezeichnet wurde, "ältere Edda". Heute befindet sich diese Handschrift in der königlichen Bibliothek in Kopenhagen und wird deshalb als "Codex Regius" bezeichnet.
Als Verfasser bzw. Sammler der Lieder schien nur der einzige große Gelehrte vor Snorri in Frage zu kommen: Sæmund, der auf seinem Landsitz Oddi in Südwestisland eine Skaldenschule gegründet hatte, deren Schüler später auch Snorri Sturluson war. So wurde die Lieder-Edda im Gegensatz zur Snorri-Edda falscherweise Sæmund-Edda genannt. Später stellte sich heraus, dass die Lieder-Edda erst nach 1270 entstanden sein muss und dass auch ein mögliches Vorgängerwerk erst 1250 entstanden sein kann. Zu dieser Zeit waren aber sowohl Snorri als auch Sæmund nicht mehr am leben, sodass die Lieder-Edda keine Quelle der älteren "jüngeren Edda" gewesen sein kann.
Die Lieder der Lieder-Edda sind allerdings nicht von einem Dichter geschrieben worden, sondern von mehreren unterschiedlichen, und sind dann gegen 1250 von einem Sammler zusammengetragen und -geschrieben worden.
Das bekannteste Lied des Codex Regius ist die Weissagung der Seherin (Völuspa) , in der die gesamte Geschichte der Welt vom Urriesen Ymir bis zur Götterdämmerung erzählt wird.

Der Name "Edda"

Über den Ursprung des Namens "Edda" streiten die Skandinavisten noch heute. Es gibt drei unterschiedliche, widersprüchliche Ansichten:

Der Name "Edda" kommt von dem gleichnamigen nordischen Wort, das Urgroßmutter bedeutet. Das lässt die beiden Deutungen "Ahnin der Sagenbücher" und "Geschichten, wie sie Urgroßmüttter erzählen" zu.

Snorri benannte sein Buch nach seinem Schulort, dem Ort "Oddi" in Südwestisland. Dann stünde "Edda" für "Das Buch von Oddi".

Am wahrscheinlichsten erscheint heute, dass "Edda" von einem mit den Wörtern oðr = Dichtung und Oðrörir, dem Dichtermet, abgewandelten Wort abstammt und somit ungefähr mit "Buch über die Dichtung" widergegeben werden kann.

Der Name "Edda" gebührt zwar eigentlich nur der Prosa-Edda , von der Snorri in einem Brief schreibt: "Dieses Buch heißt "Edda"", nachdem der Codex Regius gefunden und für Snorris Quelle gehalten worden war, wurde allerdings alle Dichtung nach Art der Lieder im Codex Regius als "Eddische Dichtung" bezeichnet.

Die Prosa Edda
Die Lider Edda


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